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Ein Schmankerl für alle ruhelosen Männer
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Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (HALL OF FAME REZENSENT) (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Frl. Ursula (Gebundene Ausgabe) Das Manuskript für dieses Buch hat ein Freund von Heiner Link in dessen Nachlass entdeckt, hat es lektoriert und herausgegeben, denn Heiner Link ist jung an Jahren mit seiner Harley Davidson Anfang 2002 tödlich verunglückt.
Es ist ein sehr witziges, gleichwohl äußerst deutliches Buch. Das ist nichts für zimperlliche Gemüter, die das nicht ertragen wie es in gewissen Macho Kreisen zugeht. Es geht nämlich immer nur um das "Eine".
Also "Frl. Ursula" ist eine bildschöne Verkäuferin in einem Supermarkt und der Erzähler, ein Student, verliebt sich in sie am Ölsardinenregal. Die nächsten fünfzehn Jahre bringt er damit zu, sie "rumzukriegen". Inzwischen ist er aber längst versackt in seinem Reihenhäuschen und in seiner etwas langweiligen Ehe. Und als er 40 Jahre alt wird bekommt er eine Sinnkrise,wie das eben so ist, und flüchtet in einen Golfclub. Da sind dann die Herren Zahnärzte, Rechtanwälte, Unternehmer unter sich, und ziehen tüchtig vom Leder, was die Weiber betrifft. Dabei geht es sehr deftig zu, aber nie zotig, das ist das Wunder, denn Heiner Link erzählt all diese amourösen Abenteuer und Rückschläge mit einer beinahe "Beamtensprache", also ganz nüchtern, ganz korrekt. Dadurch wirkt das alles ungeheuer komisch. Er schildert erotische Abenteuer so wie man eine Fahranleitung für ein Auto oder eine Gebrauchsanweisung für ein Gerät anlegt. Also, welchen Knopf man wann und wo drehen muss, damit das Auto fährt oder das Gerät ausgeht - wahlweise damit die Dame vor Wollust aufstöhnt. Letztlich lieben ja diese Herren bekanntlich ihre Autos viel mehr als die Frauen.
Und in diesem Golfclub sind zum Beispiel dann auch Klosprüche. Das sind nicht irgendwelche Klosprüche wie wir die alle kennen, das sind Zitate aus dem feinsinnigen Werk von Peter Handke. Das hat ja irgendwie auch etwas von Woody Allen.Das sind lahm gelegte Männer, die sich in ihren so genannten besten Jahren langweilen, die nur noch auf Busen und weibliche Oberschenkel und Hinterteile starren. Sie benutzen ihr Schwarzgeld dazu einer Dame ein Appartement zu finanzieren, weil ja die eigene Gattin nicht mehr so recht will.
Auch Frl. Ursula will lange nicht, der ganze Golfclub muss erst geschlossen nach Havanna fahren, damit etwas passiert.
Das ganze ist sehr drastisch, sehr arnachisch, sehr komisch, wie das eigentlich immer nur die Bayern können. Heiner Link war ja auch Bayer und er steht da in einer Tradition von Gerhard Polt, Karl Valentin, Oskar Maria Graf, Herbert Achternbusch - es ist von allem ein bißchen vorhanden. Er hat einen ganz eigenen ironischen Ton. Es ging ihm nie um das Lustige, es geht ihm um das Tragik-Komische, das schreibt sein Freund der Schriftsteller Norbert Niemann auch in einem rührend schönen Nachwort zu diesem Buch.
Die arrivierten Reihenhausmänner haben wirklich Sehnsucht, sie suchen wirklich das Glück, so sehr,dass einer von ihnen sich eines Tages eine Kugel in den Kopf schießt, weil er sein spießiges Dasein nicht mehr erträgt. Aber sie kommen aus dem blutleeren Gespensterreigen ihres Alltags und aus ihren ganz und gar ekelhaften Witzen und aus ihrer verkorksten Sexualität nicht mehr unbeschadet raus.
Hier durchschaut ein Schriftsteller Lügen, Spießertum und Anpassung ohne ein einziges Mal zu werten. Er verachtet die Menschen nicht die er beschreibt und das ist beeindruckend und enorm unterhaltend.
Heiner Link zwingt das Banale in das Korsett einer korrekten Sprache. Das macht es so grotesk und druchaus lesenwert.
Heiner Link hat sieben Bücher geschrieben, man findet sie noch in den Buchhandlungen oder im Internet, aber vielleicht sollte man ihn mit diesem, seinem letzten Buch entdecken.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 5. März 2004 |